Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : BHKW oder Photovoltaik?
Moin Moin,
wer kennt sich aus? Bin noch unsicher welches System für mich am besten ist.
Ich betreibe eine kleine Pension mit 10 Zimmern und meinem privaten Bereich von insgesamt ca. 300 qm. Das Objekt teilt sich auf in einem Anbau (Bauj. 1983) und das Haupthaus ca. 70% Bauj. 1962. Keine besonderen Dämmeigenschaften. Thermopenfenster aus den 80igern. Der Ölverbrauch liegt ca. bei 5000 L im Jahr und die Stromkosten bei ca. 13-14000 KW p.A.
Wenn Photovoltaik, dann würde ich sie am liebsten im großen Garten platzieren um sie über einen Sensor der Sonnenwanderung bestmöglich zu Nutzen. Dann sagen mir Bekannte, nimm lieber ein Blockraftheizwerk dies wäre effektiver. Was meint Ihr? Wer hat bereits Erfahrungen sammeln können?
Gruß, hema
Guido.Stelzle
28.12.2009, 12:44
Hallo Hema,
nach meiner Einschätzung muß man die Themen BHKW und Photovoltaik komplett getrennt betrachten: Die Photovoltaik hat keine Auswirkungen auf die kaufmännische Energiebilanz des Gebäudes, d.h. an der Stromrechnung ändert sich nicht viel und an der Ölrechnung gar nichts.
Ich würde mir für die Photovoltaik ein Angebot mit Ertragsgarantie machen lassen. Da kommt dann eine Rendite raus und Sie können sich entscheiden, ob das interessant für sie ist oder nicht.
Beim BHKW würde ich mir den Sommerölverbrauch genau ansehen: In manchen Pensionen brauchen die Leute kaum Warmwassser, insbesondere bei Geschäftsreisenden, und ein BHKW würde zu lange stehen. Da kann es besser sein, Solarkollektoren auf das Dach zu montieren, wenn das Dach nach S ausgerichtet ist. Zudem sind Öl-BHKWs im Vergleich zu Gas spezifisch teuer.
Etwas anderes wäre es, wenn Sie noch ein kleines Schwimmbad betreiben. Dann spricht viel für ein BHKW. Allerdings scheint mir der Stromverbrauch so gering, dass das BHKW viel ins Netz zurückspeisen würde. Das kostet wieder Wirtschaftlichkeit.
Also Tendenz zu Solarkolllektoren. Denken Sie auch mal über die Dämmung der obersten Geschossdecke und der Kellerdecke nach. Da kann man für wenig Geld viel Energie sparen.
Grüße, Guido Stelzle
Hallo,
ein BHKW arbeitet am wirtschaftlichsten wenn sichergestellt ist, dass die produzierte Wärme auch im Sommer zu 100% abgenommen werden kann. Die produzierte Strommenge spielt eher eine untergeordnete Rolle. Nach meiner Einschätzung ist
die Pension um Größenordnungen zu klein um ei BHKW wirtschftlich zu betreiben.
Hm - ich glaube bereits jetzt nachweisen zu können, das die "Wahrheit" irgendwo zwischen den beiden vorherigen Beiträgen liegen kann :
Seit 29.01.2010 betreibe ich ein Mini-BHKW modulierend mit 4,7 kW el. und 12,5 kW th. in einem MFH mit 12 Nutzern und wohne auch selbst darin. Der BHKW-Strom wird zuerst an die Nutzer verkauft, ehe der lastgangerforderliche Überschuss eingespeist wird.
Da wärmegeführter Betriebsmodus, tritt folgerichtig trotz 1.000 Lit.-Pufferspeicher und 500 Lit. WW-Speicher im Sommer eine verminderte Stromproduktion ein, welche den erforderlichen Drittbezug an "Fremdstrom" im Zeitraum ca. April - Sept. ansteigen läßt.
In ca. 14 Tagen nehme ich deshalb eine auf diese Erfordernisse (Leistung, Anstellwinkel) abgestimmte 5,5 kWp-Fotovoltaik-Anlage in Betrieb. Diese solle mir in diesem o.g. Zeitraum durch Maximalertrag (12° auf Flachdach, Südausrichtung) den "Fremdbezug" um prognostiziert ca. 40% senken, wiederum lastgangab-hängig dann zuvorderst in die Hausanlage fliessen (durchschnittlich tägliche Grundlast 9 kW), der "Rest" wird dann zusätzlich eingespeist.
Meine bisherigen Kumulativ-Ergebnisse (29.01. - 09.09.10):
- BHKW-Erzeugung 11.245 kWh bei 3.686 Bh (anteilig rd. 70% Zeitauslastung !!!)
- davon wurden 3.460 kWh eingespeist, zusätzlich 7.370 kWh bezogen.
D.h. ich konnte (11.245 - 3.460 + 7.370) 15.155 kWh im Gebäude anbieten. Der Anteil des BHKW von 7.785 kWh entspricht dabei rd. 51% und an der eigenen Erzeugung fast 70% !!! "Nebenbei" wurden 31.915 kWh Wärme erzeugt bei einem Gasverbrauch von rd. 4.936 cbm = 52.185 kWh. Daraus kann sich jeder den "geldwerten Erlös" selbst ausrechnen ---> er ist zweifelsohne (beachtlich) vorhanden !
Gehe ich nun von konservativen Prognoserechnungen aus, hätte ich in diesem Zeitraum ca. 3.900 kWh PV-Strom erzeugen können. Nach VDI-Formeln kann man davon ca. 1.600 kWh als "Eigenverbrauch" ansetzen x 0,2205 € = 352,80 €. Die eingespeisten 2.300 kWh erbrächten x 0,3405 € = 783,15 € ohne jegliche Betriebskosten !!! Für o.g. 7.370 kWh muß ich ca. 1.621,40 € zahlen, welche ich um ebend die PV-"Ersatz-"Nutzung mit 1.600 kWh x 0,22 € = 352 € auf 1.269,40 € senken kann. Darüber hinaus erbringt mir der mögliche Verkauf nochmals ca. 272 € zusätzlich und mit der PV-Einspeisung erzielte ich rein stromseitig damit einen zusätzlichen PV-Erlös von rd. (783,15 + 272 + 352) 1.680 € im Zeitraum Febr. - Anf. Sept. !!!
Dem wären dann die BHKW-Vergütungen und Verkaufserlöse noch hinzuzurechnen und die (verbleibenden) Fremdbezugs- und (anteiligen) Gasverbrauchskosten zzgl. fixe Kosten - gglfs. Kapitaldienst abzuziehen. Da der BHKW-Einbau unstrittig der 11%-igen Nettomieterhöhung unterzogen werden kann, sowie steuerliche "Gewinne" noch hinzukommen (z.B. durch Liefer-Contracting), kann man dann an Stelle einer rentablen von einer fast schon profitablen Kombination BHKW + PV bei Beachtung aller Rahmen- und Randbedingungen sprechen. Ich kann aus meiner bisherigen Erfahrung nur dazu raten und hoffen, das die PV-Prognose-Ergebnisse sich so in etwa bestätigen werden und ich hätte den Verlust der BAFA-Förderung (um den Preis einer weiteren Investition) annähernd - auf Langzeitsicht - kompensieren können !!! :rolleyes:
BHKW 71
PS: Wenn jemand einen Rechenfehler entdeckt wäre ich für Korrektur dankbar ! :cool:
Markus Gailfuß
12.09.2010, 14:41
9 kW GRUNDLAST bei einem Haus mit 12 Wohneinheiten?
Das erscheint mir aber sehr viel - normaler Weise liegt die Grundlast in einem 12 Familienhaus bei 3-5 kW.
Wohlgemerkt:
Grundlast = Ständig benötigte Leistung an 24 Stunden pro Tag
- aber vielleicht gibt es bei Dir ja einen besonders hohen Stromverbraucher...
Jo - Markus,
hab mich auch gewundert. Leider kann ich hier keinen Anhang beifügen, sonst hätte ich mal die ganze Tabelle angehangen. Da sind noch andere "Immobilien" dabei... Allerdings dort nur die Faktoren, keine Leistung. Die hat der Bearbeiter (Abt.-Ltr. Strom EVU) mir mit der Hand draufgeschrieben.
Hm - 3...5 kW, bringt meine ganze Betrachtung durcheinander:
Wenn ich mir jedoch die aktuelle Zahl von 14.380 kWh Verbrauch im Gebäude vor Augen führe und die Kalendertage meiner Laufzeit (227), komme ich auf 63,35 kWh/Tag bzw. dann auf 2,64 kW... Da muß also die mir gemachte Angabe falsch sein oder ich interpretiere diese 9 kW falsch...???
Danke für den Hinweis - hilft mir wieder ein Stück weiter in meinen Überlegungen !
BHKW 71
PS: Hab keine Großverbraucher, alles Wohnungen und "Stromsparer"... ----> nicht gut für's BHKW :rolleyes: Lt. Planung war der Jahresverbrauch rd. 24.000 kWh. Wie jedoch komme ich nun zu einer realistischen PV-Eigenbedarfsprognose für 5,5 kWp :confused: Das eigentlich treibt mich um zwecks Fremdstrombezugssenkung...:(
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