Beiträge von bhkw-infozentrum

    Die Bundesregierung plant, für KWK-Anlagen im Leistungsbereich von über 1 MW bis 10 MW elektrischer Leistung die EEG-Umlage-Reduzierung bei Eigenstromverwendung einzuschränken. Informationen hierzu entnehmen Sie bitte dem Bericht "Kommt die höhere EEG-Umlage für mittelgroße KWK-Anlagen wieder?"


    Wie stehen Sie zu dieser Beschränkung?

    Betrifft es Sie? Welche Auswirkungen hat dies auf die Wirtschaftlichkeit und die Fahrweise Ihrer KWK-Anlagen?
    und...
    Haben Sie mit einer solchen Regelung gerechnet?

    Guten Tag und herzlich willkommen,


    na dann beantworte ich mal Deine Fragen:


    :?:verstehe ich es richtig, dass hocheffiziente KWK-Anlagen über 2 MW mit der Stromsteuer auf eigenverbrauchten Strom belastet werden?

    Ja, so ist es.


    :?:Kann man sich diese Steuer wieder zurückholen?

    Sofern der Strom an produzierendes Gewerbe geliefert wird, kann der Strom steuerlich (teilweise) entlastet werden.


    :?:Kann man sich für diese Anlagen trotzdem die verrichtete Energiesteuer (für Gas) zurückholen?

    Nicht trotzdem - sondern wegen dem Doppelbesteuerungsverbot kann man sich die Energiesteuer ohne Bedingungen (Hocheffizienz, 70% Nutzungsgrad, Abschreibung) auf Antrag zurückerstatten lassen.


    Diese Regelungen gelten für alle Stromerzeugungsanlagen.
    Hocheffiziente KWK wird bis 2 MW elektrischer Leistung präferiert, indem man sowohl die Steuer auf den Input (Brennstoff) als auch auf den Output (Strom) erstattet bekommen kann bzw. davon befreit ist. Dann muss die KWK-Anlage aber bestimmte Bedingungen (Hocheffizienz, 70% Nutzungsgrad, Abschreibung, formale Anmeldung) erfüllen.


    Bei Stromerzeugungsanlagen mit einer elektrischen Bruttoleistung über 2 MW fällt automatisch die Stromsteuerpflicht an - aber wegen dem Doppelbesteuerungsverbot existieren keine Bedingungen für die Entlastung der Energiesteuer.

    Die Leistung eines Verbrennungsmotors reduziert sich mit geringerem Luftdruck und erhöhter Temperatur der verwendeten Zuluft.

    Das sollte eigentlich für einen Studenten eines technischen Fachs leicht nachvollziehbar sein. ;)

    Ein Luft-/Gas-Gemisch mit höherer Temperatur hat automatisch eine größere Ausdehnung - und damit passt in den Zylinder eines Verbrennungsmotors weniger Gemisch hinein und damit auch weniger Methan-Moleküle. Demnach hat der Motor weniger Leistung.

    Das Gleiche gilt bei niedrigerem Luftdruck, wie man es z. B. bei Aufstellung einer BHKW-Anlage im Allgäu oder im Schwarzwald beobachten kann.


    Wie stark sich diese Rahmenbedingungen auf die Leistung auswirken sind motorspezifisch und hängen u. a. davon ab, wie sehr der Motor schon ausgereizt ist und ob es sich z. B. um ein turboaufgeladenen Motor oder einen Saugmotor handelt.

    Unter "hydraulische Einbindung" versteht man die Implementierung des Blockheizkraftwerkes in die Wärmeverteilung des Gesamtsystems. Die vom BHKW bereitgestellte Wärme muss ja aufgenommen (Trägermedium Wasser) und zu den Verbrauchern (Radiatoren, Fußbodenheizung, Lüftungsanlage, Prozesswärme) transportiert werden.

    Probleme treten unter anderem auf

    • wenn die Wärmeleistung nicht abtransportiert werden kann, weil der Wasserdurchsatz (Volumen je Stunde) zu klein oder die Temperaturspreizung zwischen Vorlauf und Rücklauf zu klein ist
    • wenn die Vorlauftemperatur nicht ausreicht, um die Temperaturvorgaben der Heizkreise zu erfüllen (z. B. > 70°C bei der Trinkwarmwasserbereitstellung)
    • wenn das Heizungswasser verschmutzt ist
    • wenn freie Luft im Heizungswasser vorhanden ist
    • wenn kein hydraulischer Abgleich erfolgte und daher die Wärmeversorgung von weit entfernten Verbrauchern nur unzureichend realisiert werden kann
    • wenn es lange dauert, bis die Wärme am Verbraucher ankommt
    • wenn die Fließgeschwindigkeiten zu hoch sind und sich daher z. B. in einem Pufferspeicher keine Schichtung einstellt
    • wenn die Druckverluste in den Leitungen zu hoch sind oder die Heizkreispumpe von der Leistung zu klein ausgelegt wurde

    Stromabnehmer wären wir selbst mit zwei Parteien privat, die Gemeinschaftsanlage und 4 Mietparteien, insgesamt maximal ca. 10.000kWh/Jahr ....

    Das Verhältnis liegt etwa bei 60% Eigennutzung / privat bzw. Allgemeinstrom und 40% Mieter.

    Darf ich diesen zwei Zitaten entnehmen, dass demnach rund 6.000 kWh pro Jahr in "Eigennutzung" und "Allgemeinstrom" - sowie 4.000 kWh bei den Mietparteien genutzt werden könnten?
    Wobei ich "Eigennutzung" anhand der Tatsache, dass von "zwei Parteien" gesprochen wird, eher mal mit einem:?: versehen würde. Bei zwei Parteien wäre ich etwas zurückhaltend, ob das dann wirklich Selbstnutzung im Sinne des EEG ist. Wenn das so wäre, dann wäre in diesem Fall keine EEG-Umlage fällig (KWK-Anlage unter 10 kW bis 10.000 kWh Eigennutzung).
    Die messtechnische Abgrenzung des Allgemeinstroms müsste man sich dann noch mal anschauen - genauso wie die Abgrenzung der Mieterstrommengen.

    Demnach wird aber sehr viel Strom eingespeist, denn ich gehe von einer Laufzeit von rund 4.000 bis 4.500 Vollbenutzungsstunden pro Jahr aus. Mehr als die Hälfte des KWK-Strom würde demnach ins öffentliche Netz eingespeist werden.

    Tendenziell würde ich behaupten, dass der Stromzähler an der KWK-Anlage , der Stromzähler zum Netz sowie an der Eigenstromverwendung und dem Allgemeinstrom viertelstündlich erfasst werden sollte - die Zähler der Mieter können als Arbeitszähler realisiert werden.

    Hallo Stoertebeker,

    diese Regelung wurde vor etlichen Jahren durch das KWK-Gesetz vom EEG übernommen.

    Im KWK-Gesetz ist diese Regelung in den Begriffsbestimmungen in §2 KWKG enthalten.


    In §2 KWKG 2020 Nr. 14 steht weiterhin - und unverändert zum KWKG 2017:

    „KWK-Anlagen“ (sind) Anlagen, in denen Strom und Nutzwärme erzeugt werden; mehrere KWK-Anlagen an einem Standort gelten in Bezug auf die in den §§ 4 bis 8 genannten Leistungsgrenzen für den jeweils zuletzt in Betrieb genommenen Generator als eine KWK-Anlage, soweit sie innerhalb von zwölf aufeinanderfolgenden Kalendermonaten in Dauerbetrieb genommen worden sind"


    Im KWK-Gesetz 2020 hat sich demnach an dieser Regelung nichts geändert - wohl aber an der förderungswürdigen Vollbenutzungsstundenanzahl (nun 30.000 statt 60.000 VBh) und der Höhe der KWK-Zuschlagszahlung (ggü. KWKG 2017 verdoppelt).


    :!:Bitte beachten:!:

    Wir raten grundsätzlich dazu, zwischen der Aufnahme des Dauerbetreibs der ersten KWK-Anlage und der technischen Einbringung/Anlieferung der zweiten KWK-ANlage mind. 365 Tage vergehen zu lassen. Dann ist man auf der ganz sicheren Seite, da hier auf keinen Fall ein "Missbrauch" vorliegen kann.

    Guten Abend

    ein Hocheffizienznachweis sowie eine Nutzungsgrad-Nachweis wird seitens Hauptzollamt benötigt.


    Dabei erlaubt das Energiesteuergesetz beim Nachweis des Nutzungsgrades (mind. 70% für Rückerstattung) eine Fokussierung auf die mechanische Effizienz.
    Die Dienstvorschrift Eigenerzeugung sieht in solchen Fällen eine Umrechnung der elektrischen Energie auf die mechanische Energie vor. Wörtlich heisst es:

    Energiesteuerrechtliche Behandlung von Energieerzeugungsanlagen (DV Energieerzeugung) – Punkt 67

    „Die genutzte mechanische Energie an der Welle der Kraftmaschine, z. B. Verbrennungsmotor, Gasturbine, Dampfturbine bzw. Dampfmotor, ist für die Ermittlung des Nutzungsgrades maßgebend. Wird bei Anlagen mit Stromerzeugung hilfsweise die an den Generatorklemmen (Hilfsmesspunkt) gemessene Strommenge zur Ermittlung der genutzten mechanischen Energie herangezogen, so sind die Generatorverluste der gemessenen Strommenge hinzuzurechnen... (es) können bis zu fünf Prozent der zum Antrieb des Stromgenerators eingesetzten Kraft als Verlust anerkannt werden.“


    Demnach kann wahrscheinlich im Umkehrschluss auch bei der Umrechnung der vorhandenen mechanischen Leistung gemäß technischem Datenblatt auf die elektrische Leistung durch Abzug dieser 5% reagiert werden. Mit dieser elektrischen Leistung kann man dann den Hocheffizienznachweis erstellen, wobei der Korrekturfaktor für die Mittelspannungsebene bei 266 kW elektrischer Leistung veranschlagt werden sollte, um einen zu geringen Abzug (Niederspannung) zu vermeiden.

    Dieser Berechnungsvorschlag sollte im Vorfeld mit dem Hauptzollamt abgeklärt werden.
    Wir freuen uns über eine Rückmeldung, ob es so akzeptiert wurde - und es sei darauf hingewiesen, dass dies keine steuerrechtliche Beratung darstellt sondern nur ein - vom HZA oder einem Steuerfachanwalt zu verifizierender - Gedanke. :-)

    Herzlich willkommen auf dem Forum -
    haben die standardmäßig auf Erdgas ausgelegte BHKW-Anlagen eigentlich eine Freigabe für Wasserstoffzumischung zum Erdgas?

    Muss bei der Leistung bzw. dem Betrieb bei einer teilweisen Wasserstoffzumischung etwas angepasst werden?

    Ist die Zumischrate abhängig von der eingesetzten Methanzahl des Erdgases?

    Was ist denn eine "ORC-Anlage"?

    Wir haben gerade einen Lexikon-Eintrag zu Organic-Rankine-Cycle (ORC) erstellt. :)


    :?:Nun zu den Fragen:?:

    Die entscheiden Fragestellung lautet: Wird die entsprechende ORC-Anlage überhaupt als KWK-Anlage im Sinne des KWK-Gesetzes betrieben?

    ORC-Anlagen können nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden und sind auch als KWK-Technologie z. B. auf den Seiten des BHKW-Infozentrums aufgeführt.

    Auch bei der Definition der "KWK-Anlage" im KWK-Gesetz werden Organic-Rankine-Cycle-Anlagen im §2 Nr. 14 Buchst. g explizit genannt.


    Bei den verwendeten "Brennstoffen" wird "Abwärme" ohne weitere EInschränkungen im §1 KWKG aufgeführt.


    Wichtig erscheint aber die Definition einer KWK-Anlage im KWK-Gesetz als "Anlagen, in denen Strom und Nutzwärme erzeugt werden".

    Dies ist unstrittig bei Biomasse-KWK-Anlagen, bei denen mit relativ hohen Temperaturen Biomasse verbrannt und - häufig über einen Thermoöl-Zwischenkreislauf - Strom über eine ORC-Turbine bereitgestellt wird, sofern die Wärme anschließend genutzt wird.


    Bei ORC-Anlagen im Abgasstrom von Biogas-BHKW-Anlagen liegt die Hauptintention vorrangig in der zusätzlichen Stromerzeugung. Daher wird versucht, die Wärme in der ORC-Anlage möglichst tief herunter zu kühlen. Dies führt dazu, dass die anfallende Wärme nach dem ORC-Prozess nur noch 25-35°C beträgt. Die Nutzung dieser Wärme für Heizung oder Prozesswärme ist problematisch.
    Wird aber keine Wärme aus der ORC-Anlage verwendet, so ist diese ORC-Anlage keine KWK-Anlage - sondern lediglich eine stromerzeugende Anlage.

    Sofern alle Bedingungen seitens des BHKW-Betreibers eingehalten wurden, sollte man die Wartungsfirma dazu bringen, ihre Pflichten einzuhalten - ggf. unter Zuhilfenahme eines Anwalts.


    Falls dies nicht gewünscht wird und die BHKW-Anlage stillgelegt werden soll, müsste man nachprüfen, ob Sie Fördergelder für die Mini-KWK-Anlage erhalten haben wie z. B. das Mini-KWK-Impulsprogramm. Außerdem sollte man prüfen, ob die Mini-KWK-Anlage für die Erreichung bestimmter Vorgaben beim EWärmeG oder dem EEWärmeG verwendet wurde. In solchen Fällen existieren auch Verpflichtungen hinsichtlich der Weiterverwendung der BHKW-Anlage.


    Sofern die Mini-KWK-Anlage bereits im Marktstammdatenregister eingetragen wurde, muss dieser Eintrag nach der Stilllegung wieder gelöscht werden. Außerdem muss der Netzbetreiber über den Rückbau informiert werden. Dann kann dieser z. B. den teureren Zweirichtungs-Stromzähler wieder ausbauen. Diese Meldung ist aber auch wichtig wegen der Erhebung der EEG-Umlage, wobei hier ggf. der Übertragungsnetzbetreiber zuständig ist, wenn auch Dritte mit Strom versorgt werden.


    Je nach Ausgestaltung des Stromliefervertrages sollte Kontakt mit dem Stromversorger aufgenommen werden - ggf. ändern sich die Bezugskonditionen für die gelieferte Strommenge.


    Man sollte den Bezirksschornsteinfegermeister über die Stillegung informieren, da es sich um eine Veränderung der Feuerstätte handelt. Außerdem würde dieser sonst zur CO-Messung, die alle zwei Jahre durchgeführt werden muss, vorbeikommen.

    Außerdem sollte man das Gasversorgungsunternehmen über den Rückbau informieren, da dies ggf. Auswirkungen auf die Preise hat.

    Hi,
    herzlich willkommen auf dem Forum.


    Erlaube mir ein paar Nachfragen:

    Wurde die BHKW-Anlage zur Erzielung einer besseren Primärenergie-Kennzahl (EnEV) oder zur Erfüllung der Bedingungen nach EWärmeG bzw. EEWärmeG genutzt?

    Warum geht die ecopower BHKW-Anlage auf Störung? Liegt dies ggf. an der Hydraulik?

    Du schreibst, dass ein Wartungsvertrag existiert - aber warum kümmert man sich dann nicht darum?

    In der Juni-Ausgabe der vom Öko-Institutherausgegebenen Zeitschrift "eco@work" befasst sich Sabine Gores vom Öko-Institut mit der Zukunft der Kraft-Wärme-Kopplung.


    Der Perspektiv-Beitrag "Trotz allem ein Auslaufmodell?" handelt von den Herausforderungen der (fossilen) Kraft-Wärme-Kopplung in einem zunehmend von regenerativen Energiequellen dominierten Strom- und Wärmemarkt.


    In dem Bericht weist Frau Gores darauf hin, das der KWK-Einsatz überall dort ihren Sinn hat, wo Wärme benötigt wird und regelbare Energieträger eingesetzt werden. Doch schon heute müssen wir an den Zeitpunkt denken, an dem sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist – auch mit Blick auf entsprechende Ziele und Förderungen.


    Je mehr erneuerbare Energien wir nutzen, desto kleiner werde die Rolle der KWK. Die Kraft-Wärme-Kopplung dürfe regenerative Energien nicht verdrängen, sondern müsse ihren Ausbau begleiten und sie flexibel unterstützen.


    "Auch wenn Erdgas aus unserer Sicht nur ein Übergangsenergieträger ist, sichert die Umstellung auf Erdgas die notwendige kontinuierliche Nutzung der bestehenden Wärmenetze", so Frau Gores in dem Bericht.
    Ein vollständiger direkter Umstieg auf erneuerbare Energien in den Wärmenetzen wäre zwar wünschenswert, sei jedoch mit den derzeit verfügbaren Technologien in der zu ersetzenden Größenordnung noch nicht darstellbar.


    Doch wie lässt sich ein sinnvoller Übergang gestalten, der die Vorteile der KWK nutzt und den regenerativen Energien nicht im Wege steht?
    Laut Sabine Gores ist die Kraft-Wärme-Kopplung eine der effizientesten Technologien. Sie müsse aber nun lernen, eine der flexibelsten zu werden.